Tierisch geirrt
Gäbe es eine Verniedlichungsform von Gartenteich, wäre das eine hervorragende Bezeichnung für unser Exemplar. Es ist nämlich kaum größer als eine familientaugliche Badewanne. Umso erstaunlicher ist es daher, dass sich dort seit Jahren in der warmen Jahreszeit regelmäßig mindestens ein Frosch tummelt. Und das, obwohl unser Kater sich zuweilen als Amphibien-Taxi betätigt und den grünen Springinsfeld durch den Garten trägt. Bisher zum Glück ohne bleibende Schäden auf beiden Seiten.
Die gab es aber leider kürzlich bei anderen Teichbewohnern: Von vier Goldfischen war vor ein paar Wochen nur noch einer zu sehen. Auch wenn wir den Tathergang nicht genau rekonstruieren können, beschuldigen wir in diesem Fall weder den Kater noch die Nachbarskatzen. Vielmehr haben wir einen Graureiher im Verdacht, der schon früher hin und wieder auf unserem Zaun Rast machte und begehrlich in Richtung Wasseroberfläche schielte. Vermutlich waren wir auch noch seine Erfüllungsgehilfen. Denn wir hatten nach dem Winter den Filter gereinigt und den Wasserlinsen-Teppich abgeschöpft. Wir fanden das klare Wasser ziemlich super, ohne jedoch einen Gedanken daran zu verschwenden, dass wir die Goldschätze ihren Räubern quasi auf dem Silberseetablett präsentierten.
Aber wir sind ja lernfähig: Bevor ein neues Goldfisch-Quintett einziehen durfte, haben wir erstmal Versteckmöglichkeiten für unsere Teich-Tiere installiert. Während ich nun am Ufer hockte und zuschaute, wie sich die Neuankömmlinge mit dem „Undesignated Survivor“ anfreundeten, sah ich plötzlich zuerst einen und dann zwei graue Winzlinge unter einem Seerosenblatt hervorlugen. Zuerst dachte ich an Kaulquappen. Aber weit gefehlt: Es sind Goldfisch-Babys, wie mir eine Anfrage bei der Suchmaschine meines Vertrauens verriet. Diese sind zur Tarnung in ihren ersten Lebensmonaten grau und erhalten erst dann ihre leuchtende Farbe. Das Reiher-Massaker hatte also nicht nur einen Überlebenden, sondern mindestens drei. Und unser Teich, so klein er auch sein mag, scheint ein intaktes Biotop zu sein.
Die Moral von der Geschicht‘: Ist das Wasser im Teich schön klar, sind die Fische in Gefahr. Wir schreiben es uns hinter die Kiemen!